Weibliche Genitalverstümmelung durch plastische Chirurgen (FGCM)

FGCM ist nicht mehr und nicht weniger, als eine sozial akzeptierte Form der weiblichen Genitalverstümmelung.

Die WHO unterscheidet vier Kategorien der weiblichen Genitalverstümmelung.

Typ 1: Entfernung der Klitoris. Entfernung von Teilen der Klitoris. Entfernung der Klitoris-Vorhaut.

Typ 2: Entfernung der Klitoris und der inneren Schamlippen. Entfernung der äußeren Schamlippen.

Typ 3: Verengung der Scheide. Dabei werden Schamlippen entfernt und zu einer kleinen Öffnung vernäht, manchmal wird zusätzlich die Klitoris entfernt.

Typ 4: Alle sonstigen verletzenden Eingriffe an den weiblichen Genitalien, bei denen die medizinische Indikation fehlt.

Laut WHO meint fgm alle Prozeduren, durch welche die äußeren weiblichen Genitalien teilweise oder komplett entfernt werden. Und alle andere Verletzungen an den weiblichen Genitalien, ohne medizinische Indikation.

Female genital mutilation comprises all procedures involving partial or total removal of the external female genitalia or other injury to the female genital organs for non-medical reasons (WHO, UNICEF, UNFPA, 1997).

Eine Schönheitsoperation wird in den meisten Fällen nicht von der Krankenkasse bezahlt. Es ist nämlich keine Krankheit, einem kranken Schönheitsideal nicht zu entsprechen. Darum fehlt chirurgischen Eingriffen an den weiblichen Genitalien die medizinische Indikation. Denkt man dieses Gedanken-Experiment zu Ende, dann sind plastisch-chirurgische Eingriffe ebenfalls eine Verstümmelung der weiblichen Genitalien.

Arten der genitalen Verstümmelungen durch FGCS (Female Genital Cosmetic Surgery) oder wie ich es nenne FGCM (Female Genital Cosmetic Mutilation).

Typ 1: Die Klitoris wird verkleinert oder sie wird tiefer gelegt, nach unten gezogen und versteckt. Die Haut der Klitoris wird „gestrafft“. Straffen bedeutet nichts anderes, als dass große Teile davon weggeschnitten werden. Der natürliche Zustand der Klitoris bekommt einen medizinischen Namen (Protrusion), um den Eindruck einer Fehlbildung zu erwecken.

Typ 2: Eine sogenannte „Korrektur“ an den inneren und äußeren Schamlippen. Um den Anschein einer Erkrankung zu wecken, wird der Begriff Hypertropie verwendet. Es kann sein, dass die Klitoris während dieses Eingriffes zusätzlich automatisch „korrigiert“ wird. Individuellen Unterschiede des weiblichen Genitals verschwinden durch solche Eingriffe. Es entstehen nahezu austauschbare Genitalien. Auch die großen Schamlippen werden durch Herausschneiden großer Gewebeteile verkleinert oder mit Eigenfett zu dicken Polstern aufgespritzt. Diese Polster sollen die übrig gebliebenen Genitalien verstecken.

Typ 3: Verengung der gesamten Scheide. Wie bei den Eingriffen an den großen Schamlippen, wird entweder Eigenfett gespritzt. Oder es wird über die gesamte Länge der Scheide etwas herausgeschnitten, um diese Verengung zu erreichen. Umliegendes Bindegewebe, Muskeln und Faszien werden ebenfalls verletzt.

Typ 4: Rekonstruktion des Hymens. Unterspritzung des G-Punktes. Verkleinerung des Schamhügels. Und was es sonst noch so gibt oder in Zukunft geben wird.

Ähnlichkeiten

Es werden Parallelen deutlich, wenn man nur die Handlungen gegenüberstellt. Immer werden Teile der weiblichen Genitalien entfernt, herausgeschnitten und verändert. Der Grund dafür ist eine kranke Vorstellung davon, wie es aussehen sollte. Bemerkenswert ähnlich sind die Argumente, mit denen die Eingriffe gerechtfertigt werden.

  • In beiden Fällen ist das Natürliche unerwünscht und wird als böse, krankhaft oder unattraktiv dargestellt.
  • In beiden Fällen gibt es eine Lobby, die Normen und Ideale aufstellt und Handlungsbedarf impliziert.
  • In beiden Fällen wird das Ergebnis als sauberer, schöner und wünschenswerter erklärt.
  • In beiden Fällen werden Verweigerer indirekt und subtil oder sehr direkt als krank oder wertlos hingestellt.

 

Unterschiede

Die traditionelle Verstümmelung der Genitalien wird überwiegend an unmündigen Kindern oder hilflosen Säuglingen durchgeführt, die sich dagegen meistens überhaupt nicht wehren können. Es wird dabei sehr viel Gewalt ausgeübt. Auch wenn der Brauch immer mehr in Krankenhäuser verlagert wird, handelt es sich um eine schwere Kindesmisshandlung, eine Missachtung der Rechte der Kinder und einen grausamen, perversen Akt.

Die Opfer der chirurgischen Verstümmelung sind überwiegend erwachsene Frauen, die sich freiwillig in eine solche Praxis begeben. Sie scheinen alle etwas gemeinsam zu haben. Ein Leidensdruck, der sie dazu treibt, den eigenen Körper als unzulänglich und fehlerhaft zu begreifen. Das treibt sie in der Arme von Chirurgen, wo sie direkt ins offene Messer laufen. Sie werden dort zum Kanonenfutter marktwirtschaftlicher Interessen und bezahlen ihre Minderwertigkeitskomplexe mit ihrem Fleisch und Blut und dem Verlust der körperlichen Unversehrtheit.

Minderwertigkeitsgefühle als Geschäftsmodell

Chirurgen nutzen weibliche Minderwertigkeitsgefühle, um für ihre Produkte zu werben. Die Werbung für den angebotenen Eingriff, verunsichert Frauen in ihrem Selbstbild noch mehr. Es findet eine Bewertung von Genitalien durch den Chirurgen statt.

Genitalien-Beschreibung vor der OP:
Schlaff, unförmig, herabhängend, unattraktiv, unhygienisch, störend, erschlafft, überschüssig, zu groß, zu klein

Genitalien-Beschreibung nach der OP:
Befriedigend, schön, fest, hygienisch, wohlgeformt, prall, perfekt

Natürliche Formen werden als Fehlbildung, Störung oder Krankheit missinterpretiert. Jede Asymmetrie und natürliche Variation wird medikalisiert.

Der Chirurg vergleicht in seinem Internetauftritt sein persönliches Ideal (oder das Ideal der plastischen Chirurgie von weiblichen Genitalien) mit der natürlichen Realität. Natürlich sehen 99% der Frauen anders aus, als es dieses Ideal beschreibt.

Das Bild, welches der plastische Chirurg im Kopf hat, ist das Bild einer geschlossenen Muschel. Völlig unsichtbare weibliche Genitalien. Erwachsene Frauen sehen gewöhnlich nicht so aus. Das ist nicht nur unrealistisch, sondern auch  misogynistisch. Frauen und ihre Genitalien werden in ihrer natürlichen Schönheit entwertet und mit dem Makel einer erfundenen Deformation überzogen. Immer wieder wird dieses kranke Idealbild zu Recht als tendenziell pädophil kritisiert.

Auf der Internetpräsenz plastischer Chirurgen wird suggeriert, dies sei das Ideal “der meisten Patienten”. Ungesunder Gruppendruck wird erzeugt. Diese frei erfundenen und nutzlosen Norm kann von Frauen auf natürlichem Weg niemals erreicht werden. 99% müssten sich durch plastische Chirurgie verändern lassen. Dieser Marketing-Trick macht fast jede Frau zu einer potentiellen Kundin der Intimchirurgie. Normale Frauen sehen einfach nicht aus, wie eine geschlossene Muschel. Und wenn doch, dann sollte es wenigstens natürlich sein und nicht durch Verstümmelung entstanden.

Natürlichkeit als Krankheit

Durch die Art der Beschreibung wird Frauen suggeriert, dass ihre natürlichen Formen krankhaft sind. Es reicht schon, wenn einzelne Teile der Genitalien größer sind oder anders sitzen, als der Chirurg in seiner Norm beschreibt. Es werden Begriffe erfunden, die medizinisch klingen, als handele es sich tatsächlich um eine krankhafte Veränderung. Begriffe wie „Hypertrophie“ und „Protrusion“. Dadurch wird die Natürlichkeit und die normale Variation von Genitalien medikalisiert.

Die Umdeutung weiblicher Formen zu einer Krankheit wird mit der Beschreibung körperlicher Beschwerden gerechtfertigt. So sollen große Schamlippen beim Sport oder beim Tragen enger Kleidung stören. Fahrradfahren sei ein Problem und es könne vorkommen, dass die Schamlippen sich beim Sex nach innen stülpen. Hier werden Probleme mit Chirurgie gelöst, die man sicherlich auch anders lösen könnte. Das Tragen enger Kleidung sollte jedenfalls niemals als medizinische Indikation für eine genitale Verstümmelung gelten.

Auf Chirurgenseiten wird manchmal erklärt, welche Art von gesundheitlichen Funktionen die kleinen Schamlippen haben. Das hindert aber niemanden daran, etwas (oder alles) wegzuschneiden. Gleichzeitig werden Schamlippen oft nur als Hautlappen oder überschüssiges Gewebe bezeichnet. Als erogene Zone werden Schamlippen vollkommen ignoriert. Chirurgen erwecken sogar den Eindruck, durch das Abschneiden von sexuell empfindsamen Teilen könnte die Sexualität von Frauen verbessert werden. Das weibliche Genital wird in seiner natürlichen Form zur Ursache des Problems erklärt. Verstümmlungen werden mit Heilversprechen beworben.

Nicht jede Form der Werbung ist erlaubt. In Deutschland regelt das Heilmittelwerbegesetz die Werbung von Medizinprodukten.

Korrektur der Korrektur

Chirurgen bieten zunehmend auch die Korrektur falsch gelaufener Schamlippenkorrekturen an.

Aber Vorsicht! Die kleinen Schamlippen werden ausschließlich verkleinert. Auch bei der Korrektur einer schief gelaufenen Korrektur, wird der Chirurg immer wegschneiden, bis er Symmetrie erreicht oder nichts mehr davon übrig ist! Was verloren ist, ist verloren. Kein Chirurg der Welt kann eine Schamlippe mit all ihren gesundheitlichen Funktionen und als erogenen Zone rekonstruieren, wenn sie einmal verstümmelt wurde.

Nur die großen Schamlippen werden mit Fett aufgespritzt.

Es scheint, dass die Korrektur misslungener Schönheitsoperationen in Zukunft zu einem immer größeren, lukrativen Wirtschaftszweig werden wird.

Die Chirurgen mit viel Erfahrung korrigieren die Fehler der Chirurgen mit wenig Erfahrung.

Doch jeder Chirurg hat irgendwann mal angefangen.