Brustkrebs – Was mir wirklich geholfen hat

Du hast soeben Deine Brustkrebs-Diagnose bekommen? Du hattest schon Deine Biopsie? Es ist bösartig: was für ein Schock! Du musst jetzt stark sein, auch wenn Du Dich schwach fühlst. Eigentlich möchtest Du nur da durch. So schnell wie möglich. Aber jetzt fragst Du Dich, wie Du das alles überstehen sollst. Du musst jetzt gut für Dich sorgen. Finde heraus, was hilft. Hier sind einige Anregungen, was mir in dieser Zeit geholfen hat. Ich nenne es den Notfallkoffer. Einen Notfallkoffer zu packen gehört zur Selbstfürsorge, wie wir es in der Reha gelernt haben.

Gute Ärzte, gute Schwestern, gutes Team

Ohne eine gute Onkologin, Hausärztin oder Frauenärztin ist eine Krebstherapie nicht möglich. Eventuell werden noch andere Fachärzte benötigt. Deine Ärzte und Schwestern sind für Dich da, damit Du gut informiert und ohne Angst Deine Krebstherapie beginnen kannst. Es ist erlaubt, Fragen zu stellen. Sage ihnen, was Du brauchst und was mit Dir los ist. Spreche über Deine Ängste und Befürchtungen. Gute Ärzte und Schwestern sind gute Zuhörer! Irgendjemand sollte immer für Dich erreichbar sein, falls die Nebenwirkungen Dich umhauen. Als Krebspatientin bekommst Du immer kurzfristig einen Arzt-Termin und musst nicht lange warten. Während der Therapie wirst Du Phasen haben, in denen Du extrem verletzlich bist. Ein schlechter Arzt macht alles nur noch schlimmer.

Gute Krankenkasse

Die Krankenkasse bezahlt Deine Krebstherapie. Die Kosten sind enorm. 420 mg Perjeta, ein Medikament für Her2+ Patienten, kostet 2946,44 Euro. Der erste Zyklus besteht aus der doppelten Menge! Seit Juni 2018 ist Perjata in Europa auch nach der Operation zugelassen. Das bedeutet, 18 Zyklen bei Her2+ Brustkrebs! Gesamtkosten von 55982,36 Euro für ein einziges Medikament! Aber denk daran: Die Pharmaindustrie macht ihre Preise selbst. Wenn Du das Gefühl hast, Du musst für Deine Krankenkasse Geld sparen oder ständig um etwas betteln, dann ist es die falsche Krankenkasse. Es ist sehr wichtig, dass Deine Krankenkasse immer erreichbar für Dich ist und Dich gut informiert. Man sollte Dir nicht vorenthalten, welche Rechte und Möglichkeiten Du hast! Es geht um Dein Leben!

Der Behandlungsplan

Ganz am Anfang wirst Du mit Informationen überladen sein. Bespreche mit Deiner Ärztin die wichtigsten Stationen Deiner Therapie. Das sind die Meilensteine auf Deiner Reise. Vermutlich musst Du jetzt schon einige Entscheidungen treffen. Jede Frau ist anders, jeder Krebs ist anders und jeder Arzt ist anders. Darum ist es wichtig, dass Du Deinen individuellen Plan hast, mit Deinen Therapie-Stationen und Deinen Entscheidungen. Der Plan gibt Dir Orientierung und Sicherheit. So hast Du den Kopf für andere Dinge frei. Der Anfang ist schwer, weil Du noch so viel vor Dir hast. Später kannst Du Dich über Deine Fortschritte freuen.

Der Aktenordner

Lege Dir einen dicken Ordner an, in den Du Deine Unterlagen ablegst. Deine Frauenärztin ist verpflichtet, Dir Deine Unterlagen auszudrucken und mitzugeben. Deine Befunde, die CD-ROM mit den Ultraschall- und Mammografie-Bildern, Arztbriefe, OP-Berichte, Kopien Deiner Aufklärungsbögen, Dokumente von Deiner Krankenkasse, Berichte von der Brustkrebs-Konferenz. Das alles gehört in diesen Ordner. Nun hast Du alles griffbereit, wenn Du es brauchst. Wichtig ist das zum Beispiel, falls Du eine Zweitmeinung möchtest oder wenn Du für die Brust-OP in eine andere Klinik gehst. Auf diese Weise sparst Du viel Zeit.

Ein guter Kalender / Wochenplaner

Der Behandlungsplan gibt Dir einen groben Überblick über das große Ganze. Das wird nicht reichen. Du wirst von Anfang an eine ganze Menge Arzt-Termine bekommen und dafür brauchst Du einen guten Kalender oder Wochenplaner. Du brauchst genug Platz, um etwas zu notieren. Adressen, Namen, Telefonnummern. Dieser Kalender wird Dein ständiger Begleiter sein. Eine gute Idee ist ein Kalender, der Dich jeden Tag mit klugen Sprüchen versorgt. Bibelversen, Weisheiten, Witze, lustige Cartoons oder Tierbilder. Ich hatte einen zum Ausmalen. Einen Termin zu verpassen, kann ärgerlich sein und Dich wertvolle Zeit kosten. Gute Vorbereitung ist alles.

Die Begleitperson

Manche Menschen sind es gewohnt, still zu leiden. Manche Menschen sind zu schüchtern, um Fragen zu stellen oder ihre Meinung zu sagen. Und manche Menschen sind einsame Wölfe. Eine Begleitperson gibt Dir Rückhalt. Es wird so leichter, Fragen zu stellen oder Bedürfnisse zu äußern. Diese Person kann Dich zur Chemotherapie oder ins Krankenhaus begleiten. Das reduziert Ängste. Besonders bei Besprechungen ist eine Begleitung manchmal sehr wichtig. Vier Ohren hören mehr als zwei und zwei Gehirne erinnern mehr, als eins. Manchmal bist Du vielleicht anderer Meinung, als der Arzt. Dann hilft Deine Begleitperson mit Argumenten.

Rote Karte / Stoppschild

Vielleicht brauchst Du sie nie, aber packe sie bewusst ein: Die rote Karte oder das Stoppschild. Das ist ein Symbol dafür, dass Du über Dich selbst bestimmen kannst. Du bist ein Mensch mit Rechten. Deine Grenzen sind da, wo Du sie gesetzt hast. Wo genau, das ist allein Deine Sache. Andere Menschen – auch Ärzte – müssen Deine Grenzen akzeptieren. Du fühlst Dich überfordert, depressiv, unverstanden, hilflos, fremdbestimmt? Dann hole die rote Karte heraus und setze Grenzen. Sag den anderen, wo Deine Grenzen sind, und zeige es deutlich. Nehme Dir eine Auszeit, wann immer Du sie brauchst. Ob das nur zehn Minuten sind oder eine Woche, nimm Dir die Zeit, die Du brauchst. (Das Stoppschild ist wieder eine Idee, die ich aus meiner Reha mitgebracht habe).

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Die Psycho-Onkologin

In Deinem Brustzentrum gibt es eine Psycho-Onkologin, die Dir zur Verfügung steht, solange Du dort behandelt wirst. Mache gleich am Anfang Deiner Therapie einige Beratungs-Termine. Sie wird Dir Deine Therapie nicht erklären, aber dafür steht sie emotional auf Deiner Seite. Nimm jetzt jede Hilfe, die Du kriegen kannst. Sammele Adressen, Telefonnummern und Infobroschüren und lege sie in Deinen Koffer. Nur für den Fall der Fälle. Wenn Du mit jemand ganz anderen über Deine Krankheit reden musst, überlege nicht so lange, mach einen Termin. Die Psycho-Onkologin ist für Dich da, während Du Deine Chemo bekommst. Ich hab das als sehr hilfreich empfunden. Solltest Du außerhalb des Brustzentrums eine Psychotherapie machen wollen, dann bevorzuge dafür auch Psycho-Onkologen. Sie wissen einfach besser, wie man mit Krebskranken umgeht. Informiere Dich bei der Krankenkasse darüber, wie man heute einen schnelleren Termin bei einem Psychologen bekommt. Nutze die Terminservicestelle. Oder nutze die Beratungsangebote der Deutschen Krebshilfe, der Krebsgesellschaft oder der Diakonie.

Familie & Freunde

Manche Krebs-Patienten finden ihre Familie und ihre Freunde nervig. Immer wieder müssen sie sich dumme Sprüche anhören zum Thema Krebs. Es ist ganz klar: Außenstehende können nicht verstehen, was jemand mit Krebs alles durchmachen muss. Und wie Du Dich fühlst, kann keiner wissen, wenn Du es Deinen Leuten nicht erklärst. Manchmal wirst Du kapitulieren, weil Du keine Nerven übrig hast. Manch einer wird Deinen Frust spüren. Vielleicht möchtest Du sie vor der Wahrheit schützen. Aber wenn Du die Unterstützung Deiner Familie und Deiner Freunde benötigst, dann solltest Du etwas großzügig sein. Und darüber reden.

Gespräche

Sogar sehr stille Menschen können während der Krebstherapie einen Drang entwickeln, viele Gespräche zu führen. Du machst lebensverändernde Erfahrungen. Dein Kopf ist voller ungewohnter Bilder. Natürlich möchtest Du darüber reden. Es ist wichtig, sich deswegen nicht schuldig zu fühlen. Niemand kann von Dir ein so hohes Maß an Selbstbeherrschung erwarten. Der Brustkrebs alleine reicht schon aus, um einen Menschen aus der Bahn zu werfen. Die befürchteten Nebenwirkungen der Krebstherapie kommen noch oben drauf. Und als ob das noch nicht reicht, musst Du Dir vielleicht die Brust amputieren lassen! Such Dir Brieffreunde, rede mit anderen Patienten, such Dir eine Selbsthilfegruppe, geh zu einer Beratungsstelle oder zur Psychotherapie, schreibe ein Buch, treffe Freunde, benutze einen telefonischen Beratungsdienst. Was auch immer Dir hilft.

Ziele / Projekte

Krebs macht Angst. Es ist nicht gut, in diesem Zustand der Angst fest zu sitzen. Es ist jetzt an der Zeit, mit etwas anzufangen, was erst nach der Therapie fertig werden kann. Diese Tätigkeit wird Dich durch die Therapie ziehen. Stricke einen langen Schal, male ein kompliziertes Bild, schreibe einen Roman, absolviere ein Fernstudium, lese ein dickes Buch. Statt über den Tod nachzudenken, solltest Du lieber Deine Zukunft planen. Wenn Du lange Zeit nicht arbeiten darfst, wirst Du irgendwann freiwillig das ganze Haus putzen. Menschen können nicht lange passiv sein, ohne krank zu werden. Also such Dir Projekte, such Dir Beschäftigung. Etwas, was Dich körperlich fordert. Staubsaugen, Aufräumen, Gartenarbeit oder kämme den Hund. Geistige Beschäftigung ist ebenso wichtig. Löse Kreuzworträtsel, lese viel, schreibe Deine Erfahrungen auf. Mach was. Wenn die Therapie läuft und Du Dich darum nicht mehr sorgen musst, dann such Dir Projekte.

Richtiges Essen

Krebs ist wie eine Art Parasit, der in Deinem Körper sitzt und sich durch Dich ernährt. So habe ich es empfunden. Fachleute sagen, es sei eine konsumierende Krankheit. Der Krebs konsumiert Dich und Deine Kraft. Die Therapie wiederum verbraucht Deine Nerven und Deine Gesundheit. Während der Therapie zu viel Gewicht zu verlieren, kann sehr gefährlich sein. Lebensbedrohlich. Genau aus diesem Grund. Um die Therapie zu überstehen, brauchst Du Kraft. Es ist aber gar nicht so einfach, während der Therapie normal oder halbwegs gesund zu Essen: Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Geschmacksstörungen kommen ziemlich häufig vor. Höre auf Deinen Körper, was Du jetzt vertragen kannst und was Du lieber meiden solltest. Fange einfach an zu essen und zu trinken. Bei mir hat es die Übelkeit für eine Weile vertrieben. Die Darmflora konnte ich mit Joghurt immer wieder aufbauen. Ich aß mehr und viel gesünder als normalerweise. Aber ich musste mich dazu zwingen. Vermeide alles, wodurch Du stark an Gewicht verlierst. Der Nutzen solcher Diäten ist noch nicht bewiesen. Die Schädlichkeit ist längst klar!

Trink Kräuter-Tee

Meine Diagnose bekam ich im November. Es war Teezeit. Ich trinke gerne Tee. Viele Kräuter haben eine heilende Wirkung. Indem ich nach ganz speziellen Tees suchte, tat ich aktiv etwas für meine Genesung. Zum Beispiel Süßholztee gegen Halsschmerzen oder Löwenzahntee für das Blut. Ich kaufte mir Mariendistel-Samen und kochte sie als Tee auf für meine Leber. Die Blutwerte waren mit dem Tee immer besser, als ohne! Die Ärzte waren froh darüber und bestätigten mich darin. Ich trank anfangs jeden Tag Kurkuma-Tee, weil ich hoffte, der Krebs würde dadurch von alleine verschwinden. Natürlich klappte das nicht. Kurkuma hilft dem Immunsystem. Du musst während der Therapie ohnehin viel trinken! Also packe immer ein paar Teebeutel ein. Du wirst sie brauchen.

Ballaststoffe

Da ich mich mit Ernährungswissenschaft auskenne, weiß ich, dass Ballaststoffe Gifte im Körper binden können. Dadurch können diese Gifte dann besser ausgeschieden werden. Während der Chemotherapie wirst Du Dich manchmal sehr vergiftet fühlen. Du bist nicht diejenige, die vergiftet werden soll, sondern Dein Brustkrebs! Es spricht also nichts dagegen, das überschüssige Gift mit extra viel Ballaststoffen aus dem Körper zu schwemmen. Kartoffeln, Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte enthalten viele Ballaststoffe. Aber vergiss nicht, viel zu trinken, damit die Ballaststoffe quellen können!

Sport-DVD

Es ist in Ordnung, wenn Du keine Lust hast, zum Sport zu gehen. Während der Therapie wirst Du Dich sehr schwach fühlen. Du wirst die Haare verlieren. Du wirst vielleicht Durchfall entwickeln. Da geht man nicht gern aus dem Haus! Vielleicht wurde es sogar ärztlich verboten. Es ist aber so, dass Sport sehr viel für Dich tun kann. Ob es nun Yoga ist oder Pilates, ist egal. Eine Sport-DVD gehört in Deinen Notfallkoffer. Ich bevorzuge ganz klar Qi Gong, weil es Schmerzen reduziert. Tai Chi ist sehr beruhigend. Um dein Herz zu schützen, sollten auch Kardio-Übungen nicht fehlen. Mache nur das, was Dir gut tut, aber versuche es. Mache es zu Hause in Deinem sicheren Umfeld und in Deinem eigenen Rhythmus.

Musik

Musik ist wichtig. Mit Musik schaffst Du die Therapie viel besser. Mache Deine Lieblingslieder auf Deinen MP3-Player und nehme das überall mit hin. Lange Wartezeiten sind keine Seltenheit. Ob unterwegs, im Wartezimmer oder während der Chemotherapie: Versüße die Zeit mit Musik. Musik beeinflusst Emotionen direkt, kann ausgleichend wirken und Dir sogar neue Energie geben. Wenn Du deprimiert bist, höre tröstende Musik, wenn Du energielos bist, höre wilde Musik, wenn Du nicht schlafen kannst, höre langweilige Musik, wenn Du Angst hast, höre beruhigende Musik und wenn Du wütend bist, dann höre laute Musik.

Filme auf DVD

Die Krebstherapie kann müde machen. Es ist eine sehr anstrengende Unternehmung. Manchmal bist Du so fertig, dass Du Dich nur noch vor den Fernseher setzen willst.  Höre nun ganz genau auf Deine Bedürfnisse. Bist Du sicher, dass ein kurzer Spaziergang nicht viel mehr helfen würde? Manchmal ist es okay, sich einfach nur auszuruhen. Wenn Du zu träge bist, um etwas anderes zu machen, wird schlechtes TV-Programm Dich noch mehr frustrieren! Finde heraus, was Dir am meisten hilft. Dein Lieblingsfilm gehört auf jeden Fall als DVD in Deinen Notfallkoffer. Ist es ein Sciencefiction, ein Krimi oder ein Märchen? Vielleicht ist es sogar ein Musical? Cartoons, lustige Serien und Komödien, Fantasie und Sciencefiction. Das hat mir am meisten geholfen. Krimis und Thriller konnte ich während der Therapie nicht ausstehen!

Dein persönliches Stofftier

Im Krankenhaus liegst Du allein in Deinem Bett. Deine Familie und Freunde können Dir nun nicht helfen. Auch die Operationen musst Du ganz allein überstehen. Nur Ärzte und Schwestern begleiten Dich auf diesem Weg. Dann hilft ein Stofftier. Das ist nicht albern. Wenn Du Krebs hast, wirst Du Dich manchmal so hilflos wie ein Kind fühlen. Stofftiere trösten. Sie spenden Wärme und Geborgenheit und geben Dir das Gefühl, dass Du nicht allein bist. Vielleicht hast Du einen Glücks-Bären, den Du überall mit hinnimmst. Du kannst für jeden chirurgischen Eingriff ein neues Stofftier kaufen.

Dein Haustier

Manchmal reicht ein Stofftier nicht. Da muss es ein echtes Tier sein. Tiere haben keine Vorurteile, sind aber genauso verschieden und eigensinnig wie Menschen. Sie geben Dir Liebe und Freundschaft, ohne dass Du viel reden musst. Du musst nichts beweisen und wirst trotzdem geliebt. Tiere lenken Dich von Deinen Problemen ab, weil Du Dich um sie kümmerst. Du wirst Gassi gehen. Du wirst den Boden wischen. Du wirst Dein Haustier füttern. Sie treiben Dich nicht nur an. Haustiere schenken auch Energie zurück. Mit ihrer bedingungslosen Liebe. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Tiere Stress reduzieren, wenn man sie streichelt.

Schöne Plätze in der Natur

Auch wenn Du Dich total müde und schlapp fühlst, ist es manchmal gut für Dich, mal wieder raus zu gehen. Du brauchst nicht so weit zu laufen. Je nachdem, wie weit Du in der Therapie bist, solltest Du im Garten und in der Nähe einer Toilette bleiben. Frische Luft und Sonne! Alleine dafür lohnt es sich schon. Vergiss für einen schönen Moment das grelle Licht und die ekligen Gerüche des Krankenhauses. Setze Dich auf eine Bank und atme tief die frische Luft ein. Du kennst ganz sicher solche schönen Plätze. Einige davon sind sicher auch in Deiner Nähe! Nimm Deinen Hund mit. Oder Deine Begleitperson. Fühlst Du Dich etwas fitter, dann kann es der See, das Meer oder der Wald sein. Frische Luft und etwas Bewegung belebt den Körper. Das macht Dich weniger müde. Du fühlst Dich viel lebendiger!

Internet / Leitlinie / Gratis Broschüren

Das Internet half mir oft mit wichtigen Informationen. Viele Leute sagen, dass Du nicht alles glauben sollst, was im Internet steht. Glaub bitte auch nicht alles, was Dir jemand direkt ins Gesicht sagt. Das kann genauso falsch sein. Drei Ärzte haben oft drei Meinungen. Bei zehn Experten sind es zehn Meinungen. Zuerst der Schock, dann Chemobrain. Wenn Du nicht dieselben Fragen immer wieder stellen möchtest, dann suche Dein Thema im Internet. Bewerte die Information und ihre Quelle richtig, dann wirst Du keine Probleme bekommen. Das Internet ist nicht nur schlecht. Es kann auch enorm hilfreich sein. Immerhin findest Du die Brustkrebs-Leitlinien im Internet! Es kann nützlich sein, die aktuellen Leitlinien zu kennen. Besonders, die Abschnitte, die sich mit Deiner Brustkrebs-Art beschäftigen. Und auch Gratis-Broschüren gibt es im Internet. Je öfter Du etwas liest, desto besser wirst Du es letztendlich verstehen.

Bücher über Krebs

Es gibt unzählige Bücher über Krebs oder Brustkrebs. Einige wenige erklären Dir sehr gut die Zusammenhänge der Therapie, sind aber sehr teuer. Der Grund dafür ist, dass diese Bücher in wenigen Jahren nach dem Erscheinungsdatum schon nicht mehr aktuell sind. Die Autoren möchten über aktuelle Therapien, neue Testmethoden und neue Medikamente, sowie über neue Erfolge in der Krebstherapie berichten. Ein uraltes Buch hilft Dir in Deiner Therapie kaum. Früher gab es zum Beispiel nur Chemotherapie, heute gibt es zusätzlich die zielgerichtete Therapie für Krebs mit Rezeptoren. Es gibt ständig neue Studien. Es werden ständig neue Medikamente zugelassen. Deine Therapie findet jetzt statt und nicht vor 30 Jahren in der Vergangenheit! Eine Internetseite, die viele Jahre nicht aktualisiert wurde, ist genauso schlimm! Außer es geht um Aspekte der Therapie, die sich niemals ändern. Einige Bücher beschäftigen sich mit den Ursachen von Krebs oder helfen, die Krebstherapie besser zu überstehen. Manche Bücher beschäftigen sich mit alternativen Heilmethoden, Ernährung oder Krisenbewältigung. Dann gibt es noch persönliche Berichte über die Erfahrungen, die einige Frauen während der Krebstherapie machten. Finde das, was Dir persönlich hilft! Zeit zum Lesen wirst Du haben!

Schreibutensilien

Während der Krebstherapie wirst Du so viel erleben und Neues dazu lernen. Dein Kopf wird vermutlich platzen, wenn Du es nicht notierst. Ein Block und ein Stift gehören auf jeden Fall in Deinen Notfallkoffer. Ich schrieb während der Chemotherapie ein Symptom-Tagebuch. Dort notierte ich alle Nebenwirkungen. Menschen vergessen sehr schnell, wie schwer und belastend eine Sache war, wenn es vorüber ist. Schreibe Deinen ganzen Frust in ein Tagebuch, wenn Du nicht darüber reden kannst oder willst. Oder lenke Dich von der Krebstherapie ab mit Schreibübungen. Fange an, einen Roman zu schreiben. Oder schreibe einen Bericht über Deine Erfahrungen während der Krebstherapie. Manche Menschen schreiben ein Online-Tagebuch. Manche Menschen führen ein Videotagebuch. Es scheint sehr zu helfen, wenn man Erfahrungen reflektieren kann.

Farbe und Papier

Wenn Du keine Worte für die Dinge hast, die Dir passieren, dann versuche zu malen. Male ein Bild von Deinen Gefühlen. Malen ist eine Tätigkeit, die Deine volle Aufmerksamkeit fordert. Darum kann es wie eine Meditation sein. Am Anfang der Therapie waren es Ausmalbücher für Erwachsene. Das half mir sehr. Ich war weniger nervös, weil ich etwas zu tun hatte. Später in der Reha war ich in der Kunst-Gruppe. Durch meine Bilder wurden mir bestimmte Dinge klar. Das ist nicht für jeden etwas. Manche Leute tanzen lieber, spielen Theater, Jonglieren oder machen Musik. Für mich war es aber genau das Richtige. Emotionen brauchen ein Ventil. Nach dem Stress der Therapie wirkt zeichnen und malen auf Dich vielleicht beruhigend. Deine Hände sind beschäftigt, wie beim Putzen oder bei der Gartenarbeit. Aber zusätzlich wirst Du Dir über bestimmte Dinge viel bewusster. Das ist ein heilsamer Prozess.

Geistige und spirituelle Nahrung

Lese viel. Während der Krebstherapie wirst Du zu 90 % nur sitzen. Du wartest auf Deine Termine, Du sitzt oder liegst bei der Therapie, Du wartest, bis Du dran bist. Du wirst nie wieder in Deinem Leben so viel Zeit haben. Nutze die Zeit, wenn Du kannst. Während der Chemotherapie wird Dein Gehirn abbauen. Du vergisst, was Du sagen wolltest. Du kannst nicht mehr richtig schreiben. Fordere Dein Gehirn. Ich habe während der Wartezeiten manchmal gelesen, manchmal habe ich Sudoku gelöst. Durch den Krebs denkst Du vermutlich viel über den Tod und den Sinn des Lebens nach. Wenn nicht jetzt, wann dann? Vielleicht ist es in Deinem späteren Leben eine echte Bereicherung. Lese Selbsthilfebücher, religiöse Schriften oder Bücher über Philosophie. Meditiere. Was Du brauchst, entscheidest Du.

Dein persönlicher Sandsack

Du musst nicht zu jedem freundlich sein. Etwas nervt Dich? Dann rede darüber! Setze Deine Grenzen jetzt bewusst. Benutze Dein Stoppschild. Suche Dir ein Ventil, um Frust abzubauen. Zum Beispiel einen Sandsack. Geh irgendwohin, wo Du nach Herzenslust brüllen kannst. Schlag auf ein Kissen. Renne eine Strecke. Treibe exzessiv Sport. Wenn Du kannst. Wenn Du außer Atem bist, dann hast Du keine Kraft mehr, wütend zu sein. Du wirst Dich besser fühlen. Der beste Weg, Frust zu vermeiden ist, wenn Du lernst, Deine Meinung zu sagen. Sage anderen, wie Du Dich fühlst. Mache auf Deine Probleme aufmerksam, bevor es eskaliert. Denke immer daran: Auch Du wusstest irgendwann nicht, wie schlimm es ist, wenn man Krebs hat.

Mit der Wolldecke auf dem Sofa

Gib Dir die Erlaubnis, schwach zu sein. Kuschel Dich in Deine Wolldecke mit einer Tasse Tee oder Kakao. Höre tröstende Musik, lese ein gutes Buch. Krebs ist schlimm. Die Therapie ist hart. Du musst nicht beweisen, dass Du stark bist. Du musst nicht gegen den Krebs kämpfen. Das tun die Ärzte für Dich. Nimm Dir Zeit nur für Dich. Fühle, was Du fühlst. Vielleicht fließen dann Tränen. Was solls? Du bist auch nur ein Mensch. Danach steh wieder auf und mach einfach weiter.

Geh zur Reha

Deine Reha-Klinik sollte alle Therapien anbieten, die Du brauchst. Es ist möglich, sich eine konkrete Reha-Klinik zu wünschen. Du schreibst den Namen einfach auf Dein Formular. Oder schreib alle Deine Wunschtherapien auf das Formular. Dir fehlt ein solches Formular? Dann lasse es Dir zusenden. Es ist wichtig! Fahre nicht so früh, weil Du dann zu schlapp bist, um die Übungen mitzumachen, aber auch nicht zu spät. Meine Reha bestand zum großen Teil aus sportlichen Übungen. Mit bestimmten Übungen kannst Du viel für Dein Gehirn tun. Das hab ich vorher nicht gewusst. Die An- und Abreise ist anstrengend und stressig, aber es lohnt sich. Mach die Reha. Ohne Reha wäre ich vollkommen degeneriert. Die Reha bringt Dich wieder auf Spur.

Mach Reha-Sport

Suche früh genug nach Adressen für Reha-Sport in Deiner Nähe! Vergiss nicht, Dir den Sport während der Reha verschreiben zu lassen. Fange nach der Reha sofort mit dem Reha-Sport an. Warte nicht, mache es sofort. Sport und Bewegung erinnern den Körper, dass da noch Leben drin ist. Es ist anstrengend, aber es gibt Dir auch Energie zurück. Du wirst mit jedem Mal stärker und beweglicher. Es schützt Dein Herz. Es ist gut für die Verdauung. Für das Skelett. Du kommst unter Leute. Es ist ein Ausgleich zum ständigen Sitzen in der Arztpraxis, den Du brauchst.

Eine eigene Liste machen

Erinnere Dich daran, was Dir hilft. Finde heraus, was Dir gut tut. Finde heraus, was Du brauchst. Versuche, Dich auf die schönen Dinge des Lebens zu konzentrieren. Schreib Deine eigene Liste. Und wenn es Dir mal sehr schlecht geht, nimm Deine Liste zur Hand und tue irgendetwas von den Dingen, die Du auf Deine Liste geschrieben hast.