Der böse Wolf? Ein deutsches Märchen.

Foto von miyeon, http://absfreepic.com/

Wie nun Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf. Rotkäppchen aber wusste nicht, was das für ein böses Tier war, und fürchtete sich nicht vor ihm.“

Pro-Wolf

Um es gleich vorweg zu sagen: Dies ist ein Pro-Wolf-Artikel. Wölfe sind nicht heimtückisch, sondern von Instinkten und starkem Überlebenswillen gesteuerte wilde, aber kluge Tiere. Instinkte und Klugheit halfen den Wölfen bisher, ihrer vollständigen Ausrottung zu entkommen. Überleben bedeutet für die scheuen Tiere, sich im Dickicht zu verstecken, zu jagen, zu fressen, sich fortzupflanzen und ihre Jungen aufzuziehen. Dann unternehmen die jungen Wölfe lange Wanderungen, um sich ein eigenes Revier zu suchen.

Wölfe tragen keine Verkleidung und Menschen stehen nicht auf ihrem Speiseplan. Ebenso wenig töten Wölfe aus Grausamkeit oder Vergnügen. Der Wolf im Märchen tut dies, weil im Märchen manchmal Tiere für Menschen stehen. In Wirklichkeit ist der Mensch das grausamste Raubtier, dass es auf dieser Welt gibt. Der Mensch rottet nicht nur Tiere aus Dummheit oder purer Mordlust durch die Jagd aus, sondern vergiftet auch noch die gesamte Umwelt (Luft, Wasser, Boden und Nahrung), also die eigene Lebensgrundlage und zerstört Ökosysteme auf vielfältigste Weise.

Worum geht es?

In Deutschland war der Wolf laut Bundesamt für Naturschutz seit 1904 komplett ausgerottet. Seit 1948 zugewanderte Tiere, die versuchten, hier sesshaft zu werden, wurden geschossen oder überfahren. Erst 1990 wurden Wölfe unter Naturschutz gestellt. Seit dem Jahr 2000 gab es ein erstes Rudel in Sachsen. Im Jahr 2007 wurde das erste Tier in Schleswig-Holstein gesichtet.

Inzwischen gibt es laut Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes 54 Rudel in Deutschland mit insgesamt 202 bestätigten Welpen, ein Wolfspaar und zwei Einzeltiere. Ein Rudel besteht immer aus den Elterntieren, ihren aktuellen Welpen und den Jungtieren aus dem Vorjahr. Die Welpensterblichkeit ist hoch. Daher variiert die Größe der Rudel stark.

Sonderfall Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein war bisher ein Durchreiseland für Wölfe. Es gibt keine bestätigten Rudel und nur ein Wolfsgebiet. Im Monitoringsjahr 2016/17 gab es nur einen Nutztierriss, der mit Sicherheit einem Wolf zugeordnet werden konnte. In diesem Jahr gab es Probleme, weil mehr Nutztiere gerissen wurden. Die Übeltäter waren vermutlich junge Wölfe eines dänischen Rudels, die nach Schleswig-Holstein kamen.

Welpen aus einem Rudel, welche die Geschlechtsreife erreichen, machen sich auf die Wanderschaft. Auf der Suche nach eigenen Revieren legen sie bis zu 40 Kilometer an einem Tag zurück. Junge Wölfe sind sehr neugierig und nicht so scheu, wie erwachsene Tiere. Sie sammeln noch Erfahrungen. Wenn Einzelwölfe länger als sechs Monate an einem Ort nachgewiesen werden, gelten sie als sesshaft (resident).

Beim Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein werden alle Wolfsnachweise gelistet. Das müssen nicht Nutztierrisse sein, sondern auch Sichtungen und bei Verkehrsunfällen getötete Wölfe. Wer meint, Wölfe gesehen zu haben, kann dies beim Wolfsinformationszentrum melden. Das geht sowohl per Telefon, in Form einer Notfallhotline, als auch schriftlich mit Dokumentationsvorlagen.

Von den insgesamt 89 Nutztierrissen seit der Wiederkehr des Wolfes nach Deutschland, passierten laut Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein 67 Risse allein in diesem Jahr. Es ist also ein brisantes Jahr für die Nutztierhalter in Schleswig-Holstein. Auf der Internetseite des Wolfsinformationszentrum heißt es aber auch:

“Alle Nutztierrisse erfolgten außerhalb einer vom Land zur Verfügung gestellten wolfssicheren Einzäunung.”

Ist der Wolf eine invasive Art?

Nachdem das Thema „Wölfe“ eine Zeitlang ganz aus den Medien verschwunden war, wird nun wieder gehetzt. Der deutsche Jagdverband fordert, Wölfe wieder unter das Jagdrecht zu stellen. Der § 28 a des Bundesjagdgesetzes sei dafür „sachgerecht“.

Dieser Paragraph beschäftigt sich jedoch ironischerweise mit sogenannten „invasiven Arten“. Naturschützer sprechen auch von invasiven, gebietsfremden Arten. Dazu gehört der Wolf nachweislich nicht. Bei den invasiven Arten, die in der Natur angeblich Schaden anrichten, handelt es sich um eingeschleppte Arten. Also um Arten, die von Natur aus nicht hier vorkommen. Bär, Wolf, Luchs, Greifvögel und Wildkatzen gehören in unser Ökosystem.

Es ist ohnehin ironisch, wenn Menschen überall Zerstörung auf unserem Planeten anrichten, das Immunsystem der Natur kaputt machen, und dann zur Jagd auf sogenannte invasive Arten rufen. Die Frage ist, ob Menschen den Schaden überhaupt beurteilen können, den diese Arten angeblichen anrichten. Schließlich ist der Mensch selbst die invasivste Art, die es gibt. Und darf trotzdem weiterleben. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung heißt es jedenfalls, nur 1 % der sogenannten invasiven Arten richten wirklich Schaden an:

(…) Dabei bedroht nicht jede eingeführte Art die einheimischen Arten. Schätzungen zufolge etablieren sich nur etwa 10 Prozent aller neu hinzukommenden Arten, das heißt, sie pflanzen sich unter natürlichen Bedingungen fort. Von diesen 10 Prozent wiederum werden nur etwa 10 Prozent zu einer Bedrohung (also ein Prozent aller eingeführten Arten) und beeinflussen ein Ökosystem stark. (…)“

Für die Natur ist es ein viel größeres Problem, wenn Arten aus einem Ökosystem herausgenommen (ausgerottet) werden. Dadurch entstehen ganze Aussterbe-Kaskaden.

Fraßschäden am Wald durch Wild gibt es sicher erst, seitdem die großen Raubtiere (Bär, Luchs und Wolf) bei uns ausgerottet wurden. Natürliche Räuber regulieren den Bestand von Pflanzenfressern viel besser, nachhaltiger und gesünder, als der Mensch das jemals könnte.

Der Mensch zerstört Lebensräume! Die größte Gefahr für die Biodiversität (Artenvielfalt) entsteht durch den Eingriff von Menschen in das Ökosystem. So gibt es in Europa laut bpb fast keine Wälder mehr in ihrer ursprünglichen Form, da diese durch Abholzung, Bepflanzung und Fragmentierung verändert wurden.

Statt darüber zu diskutieren, den Wolf zu bejagen, sollte man darüber diskutieren, wie man Lebensräume wieder herstellen und verlorene Arten wieder ansiedeln kann. Und darüber, die Jagd generell zu verbieten. Europaweit. Die Natur braucht Naturhüter, keine Jäger.

Trotzdem fordern einzelne Politiker und Tierzüchter stur einen leichteren Abschuss sogenannter „Problemwölfe“. Teilweise wird sogar die nochmalige Ausrottung und Vertreibung gefordert. Doch so einfach ist das nicht, denn Wölfe werden sowohl durch internationale, als auch durch europäische und deutsche Gesetze geschützt. Zwar gibt es weltweit noch 170000 Wölfe, aber in Europa nur 12000 und in Deutschland sogar nur ein paar Hundert. Darum gibt es hohe Bußgelder und klar geregelte Ausnahmen.

Quellen zum Thema Artensterben: BUND, Planet Wissen, Utopia, Bildungsserver Wiki, BR Wissen

Weitere Quellen: WWF Artenporträt Wolf PDF und BUND Steckbrief Wolf PDF

Wölfe und ihr Schutzstatus

International:

a.) Das Washingtoner Artenschutzabkommen (WA) ist ein “Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen”, was seit 1973 existiert. International heißt es CITES-Abkommen. (CITES = Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora).

Da es beim WA um den Handel mit geschützten Tieren geht, informiert auch der Zoll darüber. Das Bundesamt für Naturschutz (BFN) klärt über das Verbot der Einfuhr von Jagdtrophäen auf. Dies gilt für Wölfe und u.a. für Wildkatzen, Bären und Luchse.

Den originalen Gesetzestext des WA / CITES findet man auf der Seite www.cites.org/ und die Liste der geschützten Tiere hier.

182 Staaten sind bisher beigetreten und in Deutschland gilt das WA seit 1976. 5600 Tiere und 30000 Pflanzen sind vom WA geschützt. In Anhang I befinden sich Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Der Handel mit diesen Tieren ist streng verboten und nur in Ausnahmen erlaubt. In Anhang II befinden sich Arten, die nicht unbedingt vom Aussterben bedroht sind, bei denen der Handel aber kontrolliert werden muss, weil eine Nutzung ihr Überleben gefährden könnte. Der Wolf ist hier überwiegend in Anhang II gelistet, genau wie der Luchs. Für bestimmte Länder (Bhutan, Indien, Nepal und Pakistan) gilt für den Wolf Anhang I.

b.) Die Berner Konvention gibt es seit 1979. Sie hat sich zum Ziel gemacht, nicht nur die gefährdeten Arten zu schützen, sondern auch die entsprechenden Lebensräume. Die Berner Konvention umfasst 600000 km² und 16 Länder. Sie erstreckt sich über Europa und ist auch in einigen nordafrikanischen Ländern gültig. Um Lebensräume zu schützen, beschloss man 1989 ein Netzwerk von Schutzgebieten einzurichten, dass auch als Emerald Network bezeichnet wird.

Europäische Vorgaben:

Da die europäische Union Unterzeichner der Berner Konvention ist, entwickelte die EU eine Habitat-Richtlinie oder auch Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Es handelt sich um die Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Das Netz europäischer Schutzgebiete wird Natura 2000 genannt. Zu Gunsten der Wölfe besteht die Verpflichtung, Schutzgebiete einzurichten (Anhang II). Bisher wurden nur fünf solcher Schutzgebiete eingerichtet, für den Luchs sind es immerhin schon 51. Auch in Anhang IV findet sich der Wolf. Damit ist der Wolf eine Tierart, die unter besonderem Schutz steht, weil sie selten und schützenswert ist. Dies gilt sogar, wenn ihre Lebensstätten nicht in einem Schutzgebiet liegen. Dies gilt ebenso für die Wildkatze und den Luchs.

Deutsche Gesetze:

Besonders geschützte Arten sind nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV)  unter anderem alle in Europa einheimischen wild lebenden Säugetiere, die nicht auf der Liste der Ausnahmen stehen und nicht unter das Jagdrecht oder Fischereirecht fallen. Da Wölfe (Canis Lupus) schon international und in Europa unter Schutz stehen, werden sie hier nicht extra benannt.

Abweichungen von diesem Gesetz sind möglich (Ländervorbehalt), aber nur durch die zuständige Behörde und nur „sofern Belange des Artenschutzes dem nicht entgegenstehen“. Nach § 4 Abs. 3 kann eine Behörde beispielsweise Ausnahmen zulassen, wenn dies zur Abwendung „erheblicher land-, forst-, fischerei-, wasser- oder sonstiger gemeinwirtschaftlicher Schäden“ beiträgt.

Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) schützt Wölfe durch § 7 Abs. 2 Nr. 13 “Besonders geschützte Arten” und 14 “Streng geschützte Arten”, sowie durch § 44 “Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten” BNatschG. Das Netzwerk Natura 2000 wird in Kapitel 4, Abschnitt 2 (§ 31 bis § 36) geregelt.

§ 44 (BNatSchG) besagt, dass es verboten ist, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Ihre „Entwicklungsformen“ dürfen nicht entnommen, beschädigt oder zerstört werden. Auch die „Fortpflanzungs- und Ruhestätten“ dieser Arten dürfen nicht aus der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden. Auch das „in Besitz nehmen“, die Be- und Verarbeitung, der Verkauf und die kommerzielle zur Schaustellung ist verboten.

Warum reißen Wölfe Schafe ?

Immer wieder kommt es vor, dass ein Schafzüchter seine Herde aufsucht und verendete Schafe findet. Den Züchtern bietet sich ein grausames Bild: viele Tiere sind zerfleischt, keines ist gefressen worden. Warum? Dieser Anblick hinterlässt bei den Menschen ein Trauma. Sie gewinnen den Eindruck, der Wolf töte nicht, um zu fressen, sondern aus purer Mordlust. Hier überträgt der Mensch seine eigenen Motive auf ein Tier.

Zitat aus dem Artenporträt des WWF zum Wolf:

(…) Ungeschützte Haustiere, besonders Schafe und Ziegen können ebenfalls von Wölfen gefressen werden. Dabei tötet der Wolf manchmal mehr Tiere, als er sofort fressen kann, weil eingezäunte Nutztiere, die nicht flüchten eine unnatürliche Situation für den Wolf darstellen. Der sogenannte Beuteschlagreflex bewirkt, dass Wölfe mehrere Tiere töten um sie zu einem späteren Zeitpunkt aufzufressen.(…)

Ein Schaf am Deich. Schafe ohne Herdenschutz sind für Wölfe leichte Beute. Doch da die Kadaver entfernt werden, lohnt sich der Aufwand für die Wölfe nicht wirklich.

Die Betonung liegt hier auf dem Wort „ungeschützt“. Oftmals scheint es so zu sein, dass Züchter die Empfehlungen zum Herdenschutz nicht beachten, es dem Wolf viel zu leicht machen.

Und das, obwohl Tierhalter in sogenannten Wolfsgebieten finanzielle Hilfe für Maßnahmen zum Herdenschutz bekommen können. Seit dem Jahr 2000 hätte man sich auf die Rückkehr der Wölfe einstellen können. Liest man die Berichte, dann steigt der Verdacht, dass oft nicht mal der Versuch unternommen wird, die eigenen Tiere zu schützen.

Der Aufwand sei zu hoch, die Anzahl der Herden zu groß. Die Schafe müssen oft zwischen vielen Weideflächen hin und her transportiert werden. Die Ausbildung von Herdenschutzhunden sei zu teuer und dauere zu lange. Doch wer den blutigen Anblick einer Mehrfachtötung bei seiner Herde vermeiden will, muss vernünftigen Herdenschutz betreiben.

Fehlende Herdenschutzhunde, ungenügende Zäune, zu kleine Felder, auf denen die Tiere nicht ausweichen können. Das sind beliebte Fehler. Wölfe zu jagen, obwohl die Möglichkeiten des Herdenschutzes noch nicht voll ausgeschöpft sind, verstößt gegen geltendes Recht. Und es wird an der Tatsache der Mehrfachrisse auch nichts ändern, wie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (bmu) aufklärt:

(…) Das Ausmaß der Schäden an Nutztieren ist dabei weder von der Größe des Wolfsbestandes noch von der Anzahl der Nutztiere in einem Gebiet abhängig. Entscheidend ist, wie gut oder schlecht vor allem kleine Nutztiere geschützt sind. Auch eine Zunahme der Schäden pro Wolfsrudel kann nicht festgestellt werden. Die Schäden treten vor allem dort vermehrt auf, wo sich ein Wolfsrudel neu niederlässt und die Nutztierhalter sich noch nicht auf die Anwesenheit von Wölfen eingestellt haben. In Gebieten mit längerer Wolfsanwesenheit gehen die Schäden häufig zurück.(…)“

Der Wolf bevorzugt leichte Beute, denn es geht für ihn ums Überleben. Der Mensch hingegen jagt aus Lust, Laune und Langeweile. Der Wolf kennt keine Mordlust, wie der Mensch. Was der Wolf aber hat, ist ein starker Jagdtrieb. Dahinter steckt der pure Hunger.

Wölfe sind Aasfresser und können sich durch Mehrfachtötungen einen Vorrat anlegen. Finden sie leichte Beute oder sind die Zeiten besonders hart, dann tun sie das sogar in freier Wildbahn, wie Elli H. Radinger berichtet. So töteten Wölfe 2016 in Wyoming 19 Hirsche in einem Gebiet, in dem diese in Massen für Touristen zusammengetrieben und angefüttert wurden. Darunter waren allerdings nur zwei erwachsene Tiere. Und 1991 töteten Wölfe 17 Karibus. Erst fünf Tage später kamen sie zurück, um ihre Beute zu fressen oder zu verstecken. Die Wölfe konnten sich von den Kadavern über zwei Monate ernähren.

Diese Art der Vorratshaltung funktioniert nur in freier Wildbahn, nicht auf einer Schafs-Wiese in Norddeutschland. Zwar können Wölfe über schlechte Zäune springen oder unten drunter schleichen und viele Schafe töten. Aber sie können die Kadaver dann später nicht holen, verstecken oder daran weiter fressen. Für den Wolf, der leichte Beute bevorzugt, lohnt sich das also nicht. Es ist ein Verlustgeschäft. Aber das müssen die Wölfe erst noch lernen.

Dieses Vorrats-Verhalten könnte ein Hinweis darauf sein, dass es in Deutschland eben doch nicht genug Wildtiere gibt. Der Mensch hat nicht nur den Wolf fast ausgerottet, sondern reduziert auch die Wildbestände sehr stark: alle 6 Sekunden stirbt ein Tier durch Jägerhand. Würde man die Jagd nicht durch strenge Gesetze regulieren, würden viele Tiere bis zur Ausrottung hemmungslos gejagt werden. Dies war zum Beispiel in der Schweiz im 19. Jahrhundert der Fall. Die starke Abholzung der Wälder nahmen den Beutetieren die Lebensgrundlage. Gleichzeitig wurden diese fast bis zur Ausrottung gejagt.

Zitat: “(…) Die ungeregelte Jagd trug auch noch zum Verschwinden der natürlichen Beutetiere des Wolfes bei. Mitte des 19. Jahrhunderts waren Steinbock und Hirsch in der Schweiz beinahe ausgerottet und das Reh sehr selten geworden. Das Fehlen der natürlichen Beutetiere zwang die Wölfe, sich von Haustieren zu ernähren, was ihre Verfolgung förderte und erleichterte.(…)“

Es ist also nicht der Wolf, der Fehler macht. Es ist der Mensch.

Was ist ein Problemwolf?

Zitat aus dem Artenportrait des WWF über den Wolf:

„(…) Wölfe sind sogenannte Opportunisten und ernähren sich von den Beutetieren, die in der jeweiligen Region häufig sind (…)“

Wenn Wölfe Nutztiere reißen, welche nur nachlässig oder gar nicht geschützt werden, macht sie das nicht zu Problemwölfen. Ein solches Verhalten hat seine Ursache nicht in einer Störung im Wolfshirn, sondern ist von den Menschen provoziert worden. Die Störung liegt eher im Menschenhirn. Man müsste besser fragen: “Was ist ein Problemzüchter?” oder “Was ist ein Problemmensch?”

Trotzdem gibt es klare Vorgaben für Ausnahmen per Gesetz. Diese Ausnahmen werden durch § 45 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) geregelt. Hier besagt Absatz 7, dass die „für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Behörden“ dann Ausnahmen machen können, wenn es um die „Abwendung erheblicher land-, forst-, fischerei-, wasser- oder sonstiger erheblicher wirtschaftlicher Schäden“ geht. Oder das „Interesse der Gesundheit des Menschen, der öffentlichen Sicherheit“ u.s.w. ist gefährdet.

Wölfe, die sich Menschen zu sehr nähern, die aggressiv auf Menschen reagieren oder in der Nähe von Menschen nach Futter suchen sind Problemwölfe. Auch, wenn Wölfe mehrmals gute Herdenschutzmaßnahmen überwinden und dabei großen wirtschaftlichen Schaden anrichten, macht sie das zu Problemwölfen. Und schließlich, wenn Wölfe sich Menschen mit Hunden gegenüber aggressiv nähern oder Hunde als Beute betrachten, werden sie zum Problemwolf.

Quelle: Wenn der Wolf zum Problem gemacht wird PDF

Das Gesetz sagt aber eindeutig:

(…) Eine Ausnahme darf nur zugelassen werden, wenn zumutbare Alternativen nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand der Populationen einer Art nicht verschlechtert (…)“

Wenn im Herdenschutz noch Luft nach oben ist, dann spielt der wirtschaftliche Schaden keine Rolle. Der Artenschutz darf durch die “Entnahme” nicht beeinträchtigt werden. Eine Ausrottung oder Regulierung der Bestände ist per Gesetz verboten. Die erneute Aufnahme in das Jagdrecht somit unmöglich.

Echte Problemwölfe sind selten. Die Notwendigkeit, einen solchen Wolf zu töten, kommt noch seltener vor. Wenn aber doch so ein Fall eintritt, dann bestimmt die zuständige Behörde, wer den Wolf töten darf. Einzelne Jägersleute, die im Auftrag von Viehaltern durch den Wald streifen, dürfen keinesfalls im eigenen Ermessen handeln. Sie werden dadurch zu kriminellen Wilderern. Und dafür gibt es hohe Bußgelder.

Die Bußgelder für das fangen, verletzen oder töten eines Wolfes und für das zerstören oder beschädigen seiner Ruhe- und Fortpflanzungsstätte sind sehr hoch. Sie reichen in den einzelnen Bundesländern von 5000 € (Rheinland-Pfalz) bis 65000 € (Brandenburg). Dies geschieht auf der Grundlage der Artenschutzverordnung und des Bundesnaturschutzgesetzes.

Das der Wolf keine natürlichen Feinde hat, stimmt übrigens nicht. Neben dem Menschen sind auch Bären in der Lage, Wölfe zu töten.

Weiterführende Informationen:

BFN: Leben mit Wölfen

BMU Häufige Fragen Wolf

Schleswig-Holstein.de: Wie verhält man sich bei einer Wolfsbegegnung?

Warum sind Wölfe wichtig für das Ökosystem?

Wölfe gehören zu der Gesundheitspolizei des Waldes. Sie fressen schwache und kranke Tiere und halten somit den Tierbestand gesund. Beutetiere und Raubtiere sind im jeweiligen Ökosystem voneinander abhängig. Fehlt eines der Elemente, entsteht ein Ungleichgewicht. Das ist schädlich für alle verbleibenden Elemente. Die Entnahme eines Tieres aus einem Ökosystem (durch Ausrottung) kann zu einer Aussterbe-Kaskade führen, bei der viele Arten von der Bildfläche verschwinden. Alles ist voneinander abhängig! Fehlt der Wolf, fehlt die Regulation der Bestände von Rotwild, Rehwild und Schwarzwild. Das ist letztendlich schädlich für die Artenvielfalt. Welchen Nutzen der Wolf für das Ökosystem hat, wird sehr gut auf der Seite CHWOLF.org erklärt:

Punkt 1: Vorteil für die Vegetation

Hirsche und Rehe sind gesünder und wandern mehr. Sie fressen nicht immer am selben Ort. Wildschäden im Wald werden dadurch weniger. Die Pflanzen haben mehr Zeit, sich zu erholen. Der Wald kann sich verjüngen. Dadurch besteht ein besserer Schutz gegen Erosion, Hochwasser u.s.w.

Punkt 2: Vorteil für andere Tiere

Wenn der Mensch jagt, nimmt er den Kadaver immer aus dem Wald. Der Wolf jedoch frisst nicht alles auf einmal, sondern legt Vorräte an. Diese Kadaver dienen Aasfressern als Nahrung. Diese Aasfresser dienen wiederum anderen Tieren als Nahrung. Und zu guter Letzt: wenn Bakterien, Pilze und Würmer das restliche Aas zersetzen, entsteht sehr nährstoffreiche Erde. Das nützt wiederum den Pflanzen.

Die Natur erholt sich, aber…

Sicher kann man nicht erwarten, dass es nur auf den Wolf ankommt. Der Wolf ist ein wichtiges Element, aber es gibt noch viele andere Tier- und Pflanzenarten, die wir ausgerottet oder verdrängt haben. Mit dem Luchs gibt es ähnliche Probleme, wie mit dem Wolf. Es ist eine Geschichte der Missverständnisse und der Wilderei. Greifvögel werden mit Giftködern getötet. Spechte finden nicht genügend Totholz. Wildkatzen sterben beim überqueren einer Straße. Insekten und Bienen sind gefährdet, viele Amphibien selten geworden. Einfach und allein dadurch, dass wir ihre Lebensgrundlage zerstört haben.

Wo gibt es denn noch einen natürlichen, unberührten Wald in Deutschland? Selbst in sogenannten Naturwäldern darf offenbar gejagt und Holz entnommen werden. Urwälder wurden abgeholzt und schnell wachsende Baumarten in Monokultur gepflanzt, weil diese sich besser zur Holzernte eignen. Auch gibt es kaum noch echte, artenreiche Magerwiesen. Unsere Felder sind hoffnungslos überdüngte Fettwiesen, auf denen nur wenige Pflanzen wachsen. Gewässer und sogar das Grundwasser hat die Tendenz in einigen Gebieten Nitrat verseucht zu sein. Da muss noch viel mehr passieren, aber es ist ein Anfang.

Meine Lösungsvorschläge

Mehr natürlichen Lebensraum schaffen, zum Beispiel durch echte Naturwälder, in denen der Mensch wirklich nicht eingreifen darf. Weder durch die Nutzung des Holzes, noch durch die Bekämpfung von sogenannten Schädlingen. Mehr dauerhaft brach liegende Flächen schaffen, auf denen keine Gülle ausgebracht werden darf, um wieder artenreiche Magerwiesen zu schaffen. Schnell wachsende Monokulturen müssen einem natürlichen Baumbestand weichen. Besonders in Schleswig-Holstein müssen zusammenhängende Naturschutzgebiete ohne menschlichen Einfluss geschaffen werden, damit Wölfe hindurch wandern können, ohne mit dem Menschen in Kontakt kommen zu müssen. Solche Flächen würden vielen Tieren und Pflanzen zu Gute kommen und tragen letztendlich auch zur Gesundheit der Menschen bei.

Die Jagd muss in ganz Europa verboten werden. Mit dem Zuwandern der großen Jäger wie Wolf, Luchs, Wildkatze und Bär, ist ein Schritt zur Herstellung des natürlichen Gleichgewichts getan. Menschen stören da nur und machen alles wieder kaputt. Mit dem Wild entnehmen Jäger dem Ökosystem eine wertvolle Ressource (jährlich 5 Millionen Tiere), Nährstoffe für den Boden und Nahrung für Aasfresser und Mikroorganismen. Zudem vergiften Jäger mit ihrer immer noch bleihaltigen Munition die Umwelt mit einem für den Menschen gefährlichen Schwermetall. Zusätzlich gibt jedes Jahr bis zu 40 Tote bei Jagdunfällen. Daher stellen Jäger für den Menschen eine größere Gefahr dar, als Wölfe.

Mehr Wasserschutz durch weniger Gülle. Die Massentierhaltung muss endlich streng begrenzt werden. Anzahl der Tiere pro Viehhalter begrenzen. Auch die Gesamtanzahl von Tieren pro Bundesland muss begrenzt werden. Nur noch Biobauernhöfe sollten in Europa erlaubt sein! Nicht nur Gewässer direkt am Feldrand werden mit Nitrat stark vergiftet, sondern auch das Grundwasser und das Trinkwasser! Wilde Tiere müssen in der Natur frisches Wasser finden. Nitrat im Wasser kann letztendlich dazu führen, dass die Krebsrate beim Menschen steigt. Bisher bewiesen ist das bei Darmkrebs. Nicht zu Letzt trägt die Massentierhaltung dazu bei, dass es immer mehr Keime gibt, die gegen Antibiotika resistent sind. Das bedroht menschliches Leben!

Herdenschutz zur Pflicht machen: Es ist auch für die Wölfe besser, wenn sie an die Herden gar nicht erst heran kommen. Sie verschwenden bei der scheinbar leichteren Beute sehr viel Energie, können dann aber die Tiere nicht fressen. Darum muss Herdenschutz für Viehhalter zur Pflicht werden. Hirten, Herdenschutzhunde und Nachtpferche für die Tiere sind in den Ländern, wo es funktioniert, eine Selbstverständlichkeit. Herdenschutzmaßnahmen dürfen nicht nur dort gefördert werden, wo Wölfe und Rudel sesshaft sind und Risse nachgewiesen wurden, sondern sollten bundesweit jedem Tierhalter gewährt werden, der seine Tiere vorsorglich schützen möchte. Wölfe wandern und auf diesen Wanderungen werden Tiere gerissen. Schleswig-Holstein ist davon besonders betroffen.

Seit dem Jahr 2000 weiß man, dass die Wölfe zurück kommen. Wie viele Wolf-sichere Zäune hätte man in dieser Zeit in Schleswig-Holstein bauen können? Wie viele Herdenschutzhunde hätten ausbildet werden können? Wie viele Lösungen für besondere Fälle wie Schafe am Deich, hätte man entwickeln können?

Hetze sollte gesetzlich verboten werden: Wer durch Hetze und Fehlinformationen Panik und Angst verbreitet, sollte in Zukunft härter bestraft werden. Dies sollte nicht nur für Medien gelten, die einseitig über den Wolf berichten und bestimmte Hintergrundinformationen einfach weglassen. Sondern auch für Politiker, die mit polemischer Hetze auf Stimmenfang gehen oder für Vereine und Verbände, die es versäumen, ihre Mitglieder richtig aufzuklären. Jetzt die Jagd auf Wölfe wieder zu erlauben, würde nur zu ihrer erneuten Ausrottung führen.

Und hinsichtlich des ökologischen Bewusstseins, falls es so etwas in Deutschland überhaupt noch gibt, wären wir wieder im tiefsten Mittelalter angelangt. Nämlich bei der Angst vor dem, was wir nicht verstehen. Mit der Angst vor dem Fremden kennen sich Deutsche ja besonders gut aus. Und auch mit der Hetze und Panikmache auf alles, was sie nicht verstehen.